Sind Politiker und Promis etwas Besonderes?

Bei Hackerangriffen offenbar schon...

15.01.2019 - Das Medieninteresse an dem jungen Hacker aus einer Kleinstadt in Mittelhessen und dessen "Adventskalender" mit privaten Daten von Politikern und Promis hat merklich nachgelassen. Allerdings beschäftigte sich das politisches Magazin WESTPOL vom WDR am vergangenen Sonntag doch noch mal damit und lies "Betroffene" zu Wort kommen. Die Empörung und die Unsicherheit war und ist den Betroffenen immer noch anzumerken.

Dabei trat Interessantes zutage. "Man habe zwar Anzeige erstattet, nachdem bekannt wurde, dass das "AOL-E-Mail-Konto" offenbar gehackt wurde... danach habe man dann aber nichts mehr gehört..." Klang ziemlich vorwurfsvoll, ein bisschen mehr Engagement darf man wohl erwarten. Keine Frage, immerhin lässt dies doch vermuten, seitens der Ermittlungsbehörden sei nichts geschehen. Abgesehen davon ist das ein Eindruck, den auch viele "kleine Leute, Normalos" in der anonymen Masse der Bevölkerung immer wieder gewinnen. Nicht nur bei Cyberakttacken jedweder Art, sondern auch in zahlreichen Bereichen der Alltagskriminalität. Politiker sind also nichts Besonderes, denn die Veröffentlichung von privaten Daten sind für "Normalos" mindestens genauso schlimm, zu befürchtende weitergehende Straftaten ebenso übel.

Leider wird der Frage, warum die Aufklärung von Straftaten im Netz so schwierig ist, nicht ernsthaft nachgegangen. Die Medien bleiben hier auf halbem Wege stehen. Warum? Vielleicht wäre die Wahrheit unangenehm, dem Mainstream gegen Eingriffe des Staates in bürgerliche Freiheitsrechte nicht gerade förderlich.

Der junge Mann aus Mittelhessen, so wurde es bisher öffentlich dargestellt, wurde nicht etwa durch Recherche im Netz ermittelt, sondern offenbar durch einen konkreten Hinweis eines weiteren jungen Mannes, mit dem er in Kontakt stand. Streichen wir mal diesen Ermittlungsansatz, was bleibt dann übrig? Eigentlich ganz einfach: Recherche bei den an der Kommunikation beteiligten Netzbetreibern. Völlig klar, nur mit richterlichem Beschluss! Pustekuchen, bringt nichts, da die Netzbetreiber in Deutschland Kommunikationsdaten nicht speichern. Wo nichts ist, ist auch nichts zu holen...

Und die Ursache? Die Ursache für solche datenschutzrechtlichen Probleme haben genau die Politiker gesetzt, die jetzt in der Opferrolle herumjammern und versteckt oder sogar offen der Polizei in Bund und Land Vorwürfe machen. Das Dilemma: Die Bestimmungen des Gesetzes über die Speicherung von Verkehrsdaten (Vorratsdatenspeicherung) aus 2015 werden aufgrund einer Weisung der Bundesnetzagentur aus 2017 bis zu einer immer noch ausstehenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes (BVerfG) nicht angewandt. Und solange gibt es auch keine "rückwirkende" Spurensicherung im Netz. Auch nicht für Straftaten an Promis und Politikern.

Damit keine Missverständnisse aufkommen. Dauern Cyberattacken an, sind sie sehr wohl recherchierbar, nur eben nicht bei erfolgten und beendeten Hackerangriffen.

Dass jetzt das Cyberabwehrzentrum beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) zu einer "Rund um die Uhr Einrichtung" umstrukturiert wird, haben wir offenbar dem jungen Mann aus Mittelhessen zu verdanken. Immerhin.

Und wenn Burckhardt Hirsch und Gerhard Baum (FDP) ihre Wallfahrten zum Bundesverfassungsgericht Karlsruhe zukünftig überdenken und unterlassen, kann es noch was werden - mit der Cybersicherheit...

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