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Kriminalstatistik 2006



Weniger Diebstahl mehr Gewalt- und Internetkriminalität
Düsseldorf, 28.02.2007 - "Mehr Gewalt- und Internetkriminalität, weniger Diebstahlsdelikte, eine insgesamt erneut gesunkene Gesamtkriminalität mit leicht gestiegener Aufklärungsquote ist die Bilanz des Innenministers zur Kriminalstatitistik 2006. Während erfreulicherweise Wohnungseinbrüche (-1,8%) und Diebstähle aus Kraftfahrzeugen (-2,4%) abnehmen, steigen Gewaltdelikte und Delikte rund um das Internet weiter rapide an. Dies ist ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft, in der es offensichtlich als legitim angesehen wird, seine Interessen mit Gewalt durchzusetzen.
Insbesondere die Steigerungsraten des Waren- und Kreditbetruges (+15,4%) - auch unter Nutzung des Internets - zeigen, dass gerade die neuen Technologien von Straftätern in besonderem Maße genutzt werden. Eine nicht unbedingt neue, aber lukrative Art aus der Anonymität des Internets heraus Waren und Geld zu ergaunern", erklärte der Landesvorsitzende Wilfried Albishausen heute in Düsseldorf.

Diebstahlskriminalität
Die nordrhein-westfälische Polizei befindet sich zur Zeit in einem Umstrukturierungsprozess, der unter anderem von Zentralisierungsbemühungen der Bekämpfung des Wohnungseinbruchs und der Kraftfahrzeugdelikte geprägt ist. Insoweit begrüßt der BDK die von Innenminister Dr. Ingo Wolf veranlasste Qualitätsoffensive zur Verbesserung der Bekämpfung der Eigentumskriminalität ausdrücklich. Nur die konsequente Bearbeitung von Tatorten, die Suche und Auswertung von Fingerabdrücken und DNA-Spuren, erkennungsdienstliche Behandlungen bekannter Straftäter sowie intensive täterorientierte Ermittlungen sind der Schlüssel zur erfolgreichen Aufklärung und damit auch Verhinderung von Wohnungseinbrüchen und Diebstählen aus Kraftfahrzeugen. Hier hat die nordrhein-westfälische Kriminalpolizei Nachholbedarf. Die immer noch geringen Aufklärungsquoten von knapp 16% beim Wohnungseinbruch und ca. 7 % beim Diebstahl aus Kraftfahrzeugen beweisen dies deutlich. Hierzu benötigt die Kripo eine Intensivierung der Fortbildung und eine deutliche Senkung der Altersstruktur der Kriminalisten und Kriminalistinnen. Die Versäumnisse der Vorgängerregierung hinsichtlich einer ausgewogenen Personalstruktur mit jungem Nachwuchs gilt es jetzt nachzuholen.

Gewaltkriminalität

Die in den letzten Jahre stetige Zunahme der Gewaltkriminalität mit nunmehr knapp 120.000 Delikten der Körperverletzung (+2,8% in 2006), davon knapp ein Drittel gefährliche und schwere Körperverletzung zeigen den weiter abnehmenden Respekt vor der körperlichen Unversehrtheit unserer Bürgerinnen und Bürger. Dass bei Raubdelikten und der Körperverletzung Jugendliche entgegen ihrem Bevölkerungsanteil deutlich überrepräsentiert sind, (59% bei Raubdelikten, 54% bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung) ist schon seit langem mehr als besorgniserregend.

Mangelnde Wertevermittlung, aber auch die mangelhaften Sanktionen durch eine überlastete Justiz führen bei den jugendlichen Straftätern zu der Erkenntnis, dass sich Gewalt zur Durchsetzung ihrer Interessen oder zur Erlangung von Statussymbolen lohnt. Jugendliche Wiederholungstäter zeigen sich oftmals überrascht, wenn beim 5. oder 6. Mal ein Jugendarrest verhängt wird.

Erfreulich sind die in leider erst wenigen Behörden wie u. a Mönchengladbach und Duisburg eingerichteten Kommissariate zur Bearbeitung "Jugendlicher Intensivtäter (JIT)", die sich in Kooperation mit der jeweiligen Staatsanwaltschaft und dem Jugendamt um Jugendliche mit hoher Delinquenz kümmern, auch anlassunabhängig. Hier erhalten Jugendliche und deren Eltern entsprechende Hilfen, aber auch Sanktionen, die sofort greifen. Sanktionen in Form von Arresten, die allerdings therapeutisch begleitet werden.

Allein in Möchengladbach konnte so die Gesamtzahl der Straftaten dieser Intensivtäter halbiert werden.

Diese Projekte gilt es flächendeckend in Nordrhein-Westfalen auszubauen. Jugendliche müssen erfahren, dass man sich um sie kümmert, ihnen Hilfen bietet, aber auch sanktioniert, wenn die Hilfen nicht angenommen werden.

Tatort Internet

In 60.500 Fällen spielte das Internet eine wesentliche Rolle bei der Begehung von Straftaten. Dominiert werden diese Fälle zu fast 90% durch Betrügereien. Bei fast allen Straftaten spielen Computer, Handys sowie Laptops und PDAs eine Rolle. Die nordrhein-westfälische Kriminalpolizei hinkt dieser Entwicklung immer noch hinterher. Die eingerichteten "Arbeitsraten" zur Auswertung und Überwachung von Computern, Festplatten und Netzwerken reichen bei weitem nicht aus, den stetig steigenden Aufgaben gerecht zu werden. Auswertungsaufträge auf "Halde" verhindern vielfach eine zeitgerechte Beweisführung in den Strafverfahren. Insoweit ist Nordrhein-Westfalens Polizei weder personell noch materiell ausreichend ausgestattet. Während die Kriminalistinnen und Kriminalisten mittlerweile alle über entsprechende PC-Arbeitsplätze verfügen, kommen nur wenige aus dem polizeiinternen Netz heraus ins Internet. Bandbreitenprobleme und Netzüberlastungen führen regelmäßig dazu, dass die Internetzugänge nicht funktionieren. Fahndung nach Personen und Sachen findet nur sporadisch statt, obwohl die entsprechenden Plattformen wie Internetauktionshäuser stetig expandieren.

Begrüßenswert ist die Einrichtung eines eigenen Dezernates beim Landeskriminalamt, das sich zunehmend mit Fahndung im Internet beschäftigen wird. Hier hat der Innenminister die richtigen Weichen gestellt. Eine Koordinierung mit den Kreispolizeibehörden wird hoffentlich dazu führen, Straftäter im Netz frühzeitig zu erkennen und dingfest zu machen.

"In der Gesamtheit gesehen, zeigt die Kriminalstatistik im Bereich der Diebstahlskriminalität eine erfreuliche Entwicklung, während die Gewaltdelikte und die Kriminalität rund um das Internet größte Besorgnis hervorrufen. Die Statistik zeigt aber auch, dass Straftäter flexibel sind, neue Technologien entdecken und nutzen schneller als die Polizei erlaubt Kriminologische Forschungen und Untersuchungen sind dringend notwendig, damit Polizei und Justiz auf alles Neue nicht immer nur verspätet reagieren, sondern möglichst früh präventiv und repressiv agieren können. Die von Innenminister Dr. Ingo Wolf für 2007 angekündigte wissenschaftliche Untersuchung des Dunkelfeldes bei der Körperverletzung ist ein richtiger Schritt in die richtige Richtung aber auch längst überfällig und für andere Bereiche wie Interkriminalität zwingend", erklärte der Landesvorsitzende Wilfried Albishausen abschließend in Düsseldorf.



Für Rückfragen: 0173/5437253 Landesvorsitzender Wilfried Albishausen

0172/8837250 Stellv. Landesvorsitzender Rüdiger Thust

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