Corona - Wo bleibt das politische und gesellschaftliche Augenmaß?

  • Das Weihnachtsfest 2020 ist gelaufen und 2021 hat begonnen. Wie? Na ja, eigentlich wie der Herbst 2020. Noch immer befinden wir uns im Lockdown, das öffentliche Leben ruht in einer trügerischen Ruhe. Die Gelddruckmaschine von EZB und Bundesbank rattert wie nie zuvor. Wir befinden uns auf dem besten Weg in eine staatlich gelenkte Wirtschaft. Niemand weiß, wie das Ganze ausgehen wird. Eines ist sicher, es wird für uns und nachfolgende Generationen teuer, sehr teuer. Verfolgt man die Tagespresse, Rundfunk und Fernsehen, bleibt man meist ratlos zurück. Die einen sagen so, die anderen sagen so. Kritik an den sich nicht selten widersprechenden Maßnahmen - unerwünscht! Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier reiht nichtssagende Floskeln aneinander und Angel Merkel setzt in ihrer Neujahransprache auf eine ziemlich verallgemeinernde "Beschimpfung" von Kritikern. Na dann - Frohes Neues Jahr.

  • Apropos Weihnachten. In weiten Teilen gab es keine Gottesdienste, abgesagt, Corona, zu gefährlich, obwohl beide christliche Kirchen über einen langen Zeitraum entsprechende Hygienekonzepte eingeführt und auch beachtet haben. Bätzing und Bedford-Strohm haben wieder mal bewiesen, wie man als Chefs des Bodenpersonals versagen kann. Einige Gemeinden haben dem medialen Gezeter widerstanden und Gottesdienste angeboten, gut so! Zwar kürzer als sonst, relativ unbekannte Lieder, um das Mitsingen zu vermeiden, aber immerhin. Diese Geistlichen haben das getan, was man in schwierigen Krisenzeiten als Kirche zu leisten hat. Auch wenn ein gewisser Horst Thoren von der Rheinischen Post kurz vor Weihnachten die Absagen von Gottesdiensten als einen "Akt der Nächstenliebe" bezeichnet hat. Das nennt man, glaube ich, "Pfeifen im dunklen Keller", anders ist dieses Schönreden zur eigenen Rechtfertigung wohl nicht zu verstehen. Ich habe vor Schreck auf die Titelseite der RP zurückgeblättert, weil ich dachte, man habe die Widmung dieser Zeitung geändert. Nein, es stand dort immer noch der Titel "Zeitung für Politik und christliche Kultur". Nun denn, Herr Döbler, dann passen Sie mal auf, das Ihnen da nichts abhanden kommt...

  • In Deutschland hat es geschneit. Manche finden es super, andere eher nicht. Kinder warten schon lange auf Schnee, Rodeln, Skilaufen. Und jetzt hat es mitten im Lockdown geschneit. Wie nicht anders zu erwarten, ist der Andrang in den Wintersportgebieten riesig. Eigentlich nichts Neues, aber angesichts geschlossener Restaurants und des Appells "Bleiben Sie Zuhause" scheinen alle durchzudrehen. Massenhafter Andrang, kilometerlange Staus, unvorbereitete Gemeinden, sind das Ergebnis naiver Vorstellungen über erwartbares Verhalten des menschlichen Individuums. Das kommt dabei raus, wenn sich Politik und Ordnungsbehörden ausschließlich von Virologen oder "Wissenschaftlern" wie jüngst aus der "Leopoldina" beraten lassen. Wo sind die dringend notwendigen Berater aus der Psychologie und der Soziologie? Selbst Studentinnen und Studenten dieser Disziplinen hätten bereits nach 4 Semestern derartiges Verhalten von Menschen unter den Bedingungen eines Lockdowns analysieren und voraussagen können. Wenigstens in den letzten Wochen kamen in den Medien vereinzelt Experten dieser Fachrichtungen zu Wort. Offensichtlich zu kurz, um Politiker auf sich aufmerksam zu machen. Stattdessen erscheint allabendlich Karl Lauterbach auf den Bildschirmen der Bundesbürger, um seine Botschaften unter die Leute zu bringen.

    Wohltuend ein Interview mit einer Vertreterin der Landwirtschaft im Raum Winterberg. Sie mache sich weniger Sorgen um die Bewegung und Kontakte von Menschen an der frischen Luft, sondern eher um die "Vermüllung" und Verschmutzung mit Fäkalien ihrer Äcker... Richtig, das muss nicht sein...

  • Thema Schule! Fassen wir uns kurz: Online- oder Hybridunterricht ersetzt keinen Präsenzunterricht! Im Gegenteil schaden Schulschließungen nicht nur dem Lernprozess, sondern auch der Kommunikation und der Sozialisierung. Insbesondere schwächere Schülerinnen und Schüler leiden darunter. Ihre Erfolgschancen sinken signifikant. Der Kinderschutzbund hat das wiederholt deutlich gemacht. Vielleicht muss Herr Hilgers lauter werden, um die Meinungen einiger Lehrerverbände zu übertönen. In mehr als 90% haben der bis kurz vor Weihnachten durchgeführte Präsenzunterricht und die Hygienekonzepte funktioniert. Selbstverständlich erfordert das Flexibilität der Schulleitungen und der Lehrerschaft. An einem Gymnasium in Geldern (Friedrich-Spee-Gymnasium) konnte ich mich davon im Herbst ein paar Wochen lang persönlich überzeugen. Das hat gut funktioniert, kein Lamento eines Schulleiters, kein Stöhnen von Lehrerinnen und Lehrern. Angenehm anders als die in den Medien ständig nörgelnden Schulleiter einiger Schulen, bei denen man geneigt ist, zu fragen, warum sie mit A16 eine doch stattliche Besoldung erhalten. Auf der einen Seite hörte man jahrelang, man fühle sich vom Schulministerium gegängelt, jetzt möchte man am liebsten eine detaillierte Handlungsanweisung... Frau Gebauer macht es richtig: Da eingreifen, wo es flächendeckend erforderlich ist, ansonsten Rahmenvorgaben, die flexibles Handeln ermöglichen.

  • Chancen die Verbreitung des Virus zu erforschen und zu analysieren, werden jeden Tag vertan. Hatte Prof. Hendrik Streek noch im vergangenen Jahr eine Studie im Kreis Heinsberg durchgeführt, hört man derzeit nichts mehr von solchen Unternehmungen. Warum beispielsweise die immer wieder auftretenden Ansammlungen von freikirchlichen Gemeinden, Raves wie in der Bretagne nicht zu einer geschlossenen Studie nutzen? Wie hoch ist der Infektionsgrad, Kontaktnachverfolgung, Erkrankungsgrad, Verläufe und so weiter. Solche Studien sind je nach Größe der Gruppe überschaubar und relativ gut durchzuführen. Einfacher jedenfalls, als die massenhafte Erfassung und Nachverfolgung einer ganzen Bevölkerung. Ähnliche Studien hätten sich auch im Einzelhandel, Restaurants und bei Frisören angeboten. Jeweils kleinere, überschaubare Gruppen, repräsentativ zusammengestellt, erscheinen mir als ein sehr geeignetes Mittel der Erforschung und der daraus gewonnenen Erkenntnisse. Ich bin mir sicher, dass es ausreichend Teilnehmer solcher Studien gegeben hätte und immer noch gibt...

  • Sollen Menschen, die sich haben impfen lassen (zweitweise war von "Impflingen" die Rede) gegenüber nicht oder noch nicht mit Impfstoff versorgten Bürgerinnen und Bürgern privilegiert werden? Einige Politiker halten das für eine gute Idee, andere eher nicht. Dazu gab es eine wie immer amüsant formulierte Kolumne im Spiegel. Verfasser ist der in juristischen Kreisen altbekannte ehemalige Vorsitzende Richter am Bundesgerichtshof Prof. Dr. Thomas Fischer. Er meint, dass es durchaus Privilegierungen für "Geimpfte" geben könne. Juristische Einwände habe ich nicht gefunden. Zutritt zu Geschäften, Veranstaltungen und Kultureinrichtungen per Impfpass? Das kann ja wohl nicht wahr sein. Hier stimme ich eher der Beurteilung von Jens Gnisa, ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Richterbundes, zu, der einer solchen Entwicklung richterweise eine Absage erteilt. Gnisa denkt in dieser elementaren Frage das Ganze von oben. Aus Artikel 1 unseres Grundgesetzes, nach dem es eine Frage der Beachtung der Würde des Menschen ist und nicht ein aus Artikel 3 abgeleiteter Rechtssatz, nach dem Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandelt werden muss. Das gilt für Sachverhalte in Einzelfällen, kann aber keinesfalls die Betrachtung des Menschen als ganz eigenes Individuum außer Kraft setzen. Veranstalter haben das zurecht zu spüren bekommen, wenn sie den Zugang zu ihrer Veranstaltung Menschen mit Migrationshintergrund verwehrt haben. Also, ein klares Nein zur Differenzierung anhand des Impfpasses...

  • Wie geht es jetzt weiter? Seit gestern wissen wir es. Lockdown mindestens bis zum 31. Januar 2021. Das Stochern im Nebel nach den Verursachern der Verbreitung des Virus geht weiter. Verfolgt man Postings und Kommentierungen bei Facebook und in den öffentlichen Medien scheint es doch klar zu sein: Es sind die, die sich nicht an die Vorschriften halten! Stopp! Die einfache Erklärung ist oft die falsche. Wenn sich rund 90% der Bevölkerung grundsätzlich an die Vorschriften hält, zieht das Argument nicht, es ist eher der eigenen diffusen Angst, sich infizieren zu können, geschuldet. Ich verweise nochmal auf den Vorschlag, flächendeckend Vergleichsstudien durchzuführen, anstatt blind weiter zu testen und Gesundheitsämter mit so genannten Nachverfolgungen zu überlasten.
    Mein Appell an Politik und vor allem an die Medien: Hören Sie auf, die Bevölkerung in Panik zu versetzen. Panik und Angst waren schon immer ein schlechter Ratgeber!

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