Corona und die gesellschaftlichen Folgen

Foto: Bundesregierung/Bergmann

24.05.2020 - Mal ehrlich, hätten Sie sich zum Jahreswechsel 2019/2020 auch nur annähernd vorstellen können und wollen, was ein neuartiges Virus, genannt SARS-CoV2, mit unserer Gesellschaft anrichten wird. Ich nicht, eine Einschränkung von Grundrechten ist mir in meinem ganzen Leben noch nicht untergekommen. Die riesigen Kolateralschäden für unsere Wirtschaft lasse ich mal außen vor, die ruinösen Folgen für viele Kleinunternehmer, Mittelständler, ja für unser Kulturleben sind in ihrem Ausmaß nicht mal zu erahnen. Beruflich als Kriminalbeamter in NRW hatte ich rund 43 Jahre mit der Einschränkung von Grundrechten zu tun. Anlässe gab es genug, allerdings fast ausnahmslos durch individuelles Fehlverhalten einzelner Mitbürger, und das ausschließlich auf der Grundlage von vorhandenen Eingriffsbefugnissen, die ihre Grundlage in der im Grundgesetz jeweils genannten Beschränkungen haben. Und jetzt? Lockdown oder Shutdown genannt, ein komplettes Herunterfahren jeglichen menschlichen Zusammenlebens. Ich will die einzelnen und dennoch pauschalen Maßnahmen nicht noch einmal aufzählen, jeder weiß, was gemeint ist. Sicherlich war es richtig, "kurzfristig" das öffentliche und private Leben herunterzufahren, um Zeit für das Gesundheitswesen, sich darauf vorzubereiten, zu gewinnen. Bereits Anfang März dürfte jedem klar gewesen sein, dass es immer einfacher ist, das öffentliche Leben herunter-, als es später wieder hochzufahren. Und genau das merken wir jetzt. Ich empfinde den jetzigen Zustand, die Diskussionen, das Verhalten der Politik und Medien einfach nur grauenhaft. Beginnen wir mit dem Sprachgebrauch. Angefangen bei der Bundeskanzlerin, über die Gesundheitsminister bis hin zu den Ministerpräsidenten wurden Formulierungen gewählt, die einen großen Teil der Bevölkerung nur in Angst, Schrecken und Panik versetzen mussten: "Ab sofort sind... verboten... Das Gilt auch für Familien, die nicht in einem Haushalt leben... Altenheime werden geschlossen... Besuche sind ab sofort verboten... Dies gilt auch für Krankenhäuser... Kindertagesstätten, Schulen und Universitäten werden geschlossen. Geschäfte, außer Lebensmittel und Apotheken bleiben geschlossen. Ebenso Gaststätten, Clubs und überhaupt alle Öffentlichen Veranstaltungen und Versammlungen..." Um dem ganzen Nachdruck zu verleihen, war dann häufiger auch die Rede davon, dass es um "Leben und Tod" gehe. Ich hätte mir manches Mal gewünscht, der eine oder andere Politiker und Journalist hätte einen Psychologen zur Seite gehabt, vielleicht wäre es besser gewesen. Wer so in die Bevölkerung hinein "regiert", wird es später bei "Lockerungen" schwer haben, den Menschen klar zu machen, dass es jetzt nicht mehr um "Leben und Tod" geht, sondern, um, ja was eigentlich? Das sehen wird jetzt, nachdem die Bürger ihre Freiheiten zurückhaben wollen und sich notfalls mit gerichtlicher Hilfe und Demonstrationen gegen die gesellschaftlichen Bremsen wehren. Vergessen wir nicht, wie sich die Medien verhalten haben, und es immer noch tun. Berichterstattung ja, auf jeden Fall. Aber was wir in dieser Krise erlebt haben, ist schon der Hammer. Jeder Skandal, jedes abweichende Verhalten von Politikern, Künstlern versetzt die Redaktionsstuben regelmäßig in wahre Begeisterung und Euphorie. Alle Frau/Mann raus an die Front, Trennscheiben in Studios, um die Moderatoren, die danach ihre brillanten Auftritte von Angesicht zu Angesicht besprechen, voreinander zu schützen. Und vergessen wir nicht die in Plastiktüten verpackten Mikrofone. Bis heute! Ehrlich? Das hat was von Comedy!

Und, was noch schlimmer ist: Keine, aber auch gar keine Sendung im Fernsehen, die nicht durchgehend von "CORONA" bestimmt ist. Keine! Und selbstverständlich immer mit dem Duktus und einem Gesichtsausdruck, wir könnten alle sterben, wenn wir uns nicht strikt an die Anweisungen halten. Dazu werden Zahlen, Statistiken und Rechenbeispiele veröffentlicht, deren Grundlage, Zählweise und Relation bereits zwei bis drei Tage später in Frage gestellt wird. Wer kritisiert und hinterfragt ist ein "Aluhutträger, Verschwörungstheoretiker und geistiger Tiefflieger, der die Gesellschaft spalten will. Ja, solche Tiefflieger gibt es, warum Politik und Medien allerdings so eine Angst vor diesen Menschen haben, erschließt sich mir nicht. Da reden Wissenschaftsjournalisten von "brandgefährlich", ohne ihre wissenschaftliche Kompetenz unter Beweis zu stellen. Wie wird man eigentlich Wissenschaftsjournalist? Apropos Verschwörungstheoretiker. Ja, da gibt es ganz schlimme Finger. Aber gab es die nicht schon immer? Manche gingen sogar von Haus zu Haus und verkündeten den nahenden Weltuntergang. Und? Ist die Welt untergegangen? Haben sich diese Glaubensfragen bis tief in die Gesellschaft gegraben. Nein! Der Vorteil von Facebook liegt auf der Hand: Kruse Theorien verbreiten sich zwar, werden aber auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Halten uns Politiker (siehe rechts die Warnung der Bundesregierung) und Journalisten für so dämlich, all den "Theorien" zu folgen? Sind die Beobachter der Social Media tatsächlich so naiv, zu glauben, dass die Kommentare unter den schrägen Theorien repräsentativ für die breite bundesrepublikanische Meinung seien? Würde ich mich jetzt auf ein "Sandkastenniveau" begeben, würde ich die Frage stellen, wer hat eigentlich damit angefangen? Wenn der WDR in einem Beitrag vor kurzem die so genannte "Heinsberg-Studie" als mehr oder weniger unseriös angreift und dabei weniger auf die Inhalte von Prof. Streeck eingeht als auf die Frage der Veröffentlichung, könnte man dem ja noch folgen. Wenn dabei aber unterstellt wird, die PR und die Rolle des Ministerpräsidenten Armin Laschet, sei mehr oder weniger von Sponsoring geprägt (man könnte auch sagen "gekauft"), um sich gegenüber anderen politischen Kraftmeiern einen Vorteil zu verschaffen, ist die Grenze zur Verschwörungstheorie bereits überschritten. Die im Beitrag genannten Spenden der Unterstützer lagen bereits 3 Jahre zurück ... Wenn ich mir anschaue, wie der Begriff "Aluhutträger" in Medien und Politik pauschal gegen jeden Kritiker salonfähig gemacht wurde, wird mir übel. Ja, auch solche gibt es, auch sie sind eindeutig erkennbar. Der inflationäre Gebrauch dieses Begriffs verbietet sich schon deshalb, weil es sich bei diesen Menschen meist um schwerwiegende psychische Erkrankungen handelt. Also, bitte ein wenig Sorgfalt in der Anwendung solcher Begriffe ...

Schaut man in die Medien - auch und besonders in die Social Media - könnte man den Eindruck gewinnen, dass wir in Deutschland das "Denunziantentum" wieder entdeckt haben. "Anzeige ist raus" bis hin zur Forderung an die Ordnungsbehörden "genau" hinzuschauen und per Bußgeld zu sanktionieren, wenn der "Mindestabstand" nicht eingehalten wird. Oft sind solche Beiträge mit Fotos unterlegt, die man sich ebenfalls genau anschauen sollte. Leider fehlen meist die Metadaten, insbesondere die verwendete "Brennweite" (Teleobjektive). Die Aussagekraft solche Fotos und Videos sind eher gegen null gehend. Jeder Fotograf weiß, dass Teleobjektive die Perspektive derart verdichten, dass aus einem 3 Meter Abstand nahezu ein Körperkontakt wird. Aber damit nehmen "wir" es offensichtlich nicht so genau, Foto ist Foto und Beweis ist Beweis. Nein, so einfach ist es nicht! Noch gestern beim Bundesligaspiel Dortmund gegen Wolfsburg gab es ein schönes Beispiel: Auf der Tribüne, in deutlichem Abstand, hier konnte das Tele wegen der Sitzplätze nicht täuschen, saßen die Ersatzspieler vom BVB. Einer hatte die Maske herunter genommen und eine Wasserflasche in der Hand. Der Kommentator: "Männer, Maske auf, ihr werdet beobachtet"... Aha! Der Reporter zu Beginn des Spiels, alleine vor der Kamera mit Maske und, jawohl, das war es wieder, das Mikrofon mit Plastiktüte ... Abschließend noch ein Blick auf das Versammlungsrecht. Menschen demonstrieren für die Rückgabe ihrer Grundrechte. Das dürfen sie, oder? Medien und Politik rufen neuerdings dazu auf, Demonstrationen von "Extremisten" (fast ausschließlich sind "Rechte" gemeint) zu meiden, sich nicht mit jenen zu solidarisieren, sich "kapern" zu lassen. Das ist grundsätzlich richtig, keine Frage. Was aber, wenn ganz normale Bürger eine Demonstration anmelden und diese von Links- oder/und Rechtsextremisten aufgesucht und benutzt werden? In der Konsequenz würde das bedeuten, dass sich der normale Bürger zurückziehen muss, um nicht pauschal mit in die rechte oder linke Ecke gestellt zu werden. Letztlich hieße das, dass das Versammlungsrecht von Links- oder Rechtsextremisten gekapert und für den normalen Bürger beschränkt oder unmöglich gemacht würde ... Das wäre der Weg in eine Diktatur von Extremisten, in der die breite Masse zu schweigen hat. Und das will doch wohl niemand.

Um es deutlich zu sagen, ich halte kurzfristige Einschränkungen angesichts einer solchen Pandemie für richtig, erlaube mir aber auch, das eine oder andere kritisch zu sehen. Ich habe mich bisher an die Vorgaben und Gebote soweit wie möglich gehalten. Dennoch sehe ich einiges kritisch. Vor allem die Zahlenwerke, Statistiken und der Umgang damit haben mich bisher in keiner Weise überzeugt. Wie naiv manche mit Statistiken umgehen, macht mich manchmal fassungslos. Ich hoffe, dass wir schnellstmöglich zur Normalität zurückkehren, und nicht zu einer "neuen Normalität" von Träumern, die bisher jegliche Erklärung, was das sein soll, schuldig geblieben sind. In diesem Sinne bleibt gesund ...

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