Der Fall Lügde - Skandal und Katastrophe zugleich

Düsseldorf, 23.02.2019 - Ja, der "Missbrauchsfall Lügde" ist ein handfester Skandal und eine Katastrophe für das Vertrauen der Bevölkerung in die Institutionen Polizei und Jugendämter.

Eine Katastrophe mit Ansage, die vorauszusehen war, wenn man die Personalentwicklung gerade im Bereich der Polizei, speziell der Kriminalpolizei einmal näher betrachtet und die parteipolitische Brille einiger aktueller Kommentatoren mal absetzt...

Den Zustand der Kriminalpolizei in Qualität und Quantität hat nicht der derzeitige Innenminister Herbert Reul zu vertreten, sondern die jetzt laut "Skandal" schreienden Oppositionsparteien SPD und Bündnis 90/Die Grünen. Sie mit ihren Innenministern Schnoor, Kniola, Behrens, Jäger und in Teilen auch der FDP Innenminister Dr. Ingo Wolf waren es, die die desaströsen Zustände in der Kriminalpolizei unseres Landes erst möglich gemacht und damit zu verantworten haben.

Eine Ideologie geprägte Personalpolitik mit dem Gusto des "Einheitspolizisten", bei dem "Jeder kann alles" galt, Personalabbau, einer Überalterung der Kripo, der schon seit Langem der Mittelbau der 40-jährigen Kriminalisten abhanden gekommen ist, eine Methode der Kräfteverteilung (BKV), die den mit Personalverlust straft, der seine Fallzahlen senkt und ein Personalverwendungskonzept, das den Wechsel zwischen Kriminalpolizei und Schutzpolizei und damit verbundenen Wissens- und Erfahrungsverlust zum Karriere- und Beförderungsprinzip erhoben hat.

Das alles gilt nicht nur für die Ebene der Sachbearbeitung und Ermittler, sondern auch für die Ausbildung und Personalverwendung im Höheren Dienst an der Deutschen Hochschule für Polizei. Auch hier: "Einheitsbrei", keine Spezialisierung für die zukünftige Aufgabe.

In meiner 17-jährigen Verantwortung als Landesvorsitzender des Bund Deutscher Kriminalbeamter haben meine Vorstandskolleginnen und -kollegen sozusagen "gebetsmühlenartig" vor den Folgen, die heute offenkundig werden, gewarnt.

Die Reaktion derer, die heute mit dem Finger auf Innenminister Herbert Reul zeigen? Null! Im Gegenteil, sie haben uns erklärt, wie Kripo geht... Das Ergebnis dieser politischen Dilettanten darf nun Reul ausbaden, die betroffenen Kolleginnen und Kollegen stehen wie Deppen dar. Sie sind es eben genau nicht, die diese Katastrophe zu verantworten haben.

Besonders sauer stößt auf, wenn sich nun der SPD Landrat aufbläst und vollmundig erklärt, er habe schon immer auf das Personalproblem in seiner Behörde aufmerksam gemacht und letztlich mit der "Suspendierung" des Leiters seiner Kripo Direktion zu einem hilflosen und ziemlich schäbigen Befreiungsschlag ausholt. Ich warte auf die Dokumentation seiner "Intervention" zur Personalsituation in Lippe...

Meist ist es schön, recht zu behalten, besonders dann, wenn man gegen Windflügel kämpft. Bezüglich der desaströsen Situation der Kripo in unserem Land, kommt allerdings keine Freude auf. Ich habe mehrfach bis 2014 - auch öffentlich - erklärt, dass ich angesichts der Folgen der desaströsen Kriminalpolitik nicht in der Haut eines Ministers oder Behördenleiters stecken möchte... Bei Delegiertentagen, vor dem Unterausschuss Personal des NRW-Landtages. Damals wurden wir als BDK Landesvorstand belächelt. Ich rate den Verantwortlichen von SPD und Grünen dringend ihr Erinnerungsvermögen anzustrengen, bevor sie ihre Keule rausholen. Das Lächeln von damals wird sie vielleicht dazu bringen, sich nun endlich konstruktiv an der Reparatur der Kriminalpolizei zu beteiligen. Innenminister Herbert Reul ist seit seiner Amtsübernahme dabei, diese Reparaturen vorzunehmen und für Vorschläge offen.

Allerdings wachsen Kriminalisten weder auf Bäumen, noch sind sie bei Amazon Prime am nächsten Tag lieferbar und einsatzfähig. Auch der aktuelle Vorstand des Bund Deutscher Kriminalbeamter sollte das bedenken und beherzigen. Konstruktive Teilnahme ist allemal besser als destruktives Verhalten mit ungewissem Ausgang ...

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