Herbert Reul - Problemminister?

16.03.2019 - Folgt man der medialen Berichterstattung wie heute in der Rheinischen Post, ist der Fall Lügde relativ eindeutig das Problem von Innenminister Herbert Reul. So jedenfalls die Überschrift und auch weite Teile des Artikels von heute.

Der Autor Thomas Reisener, ein unbestritten erfahrener Journalist der Rheinischen Post, berichtet anlässlich des Fall Lügde über das Verhalten von Innenminister Herbert Reul und dessen Ministerialbürokratie, spricht vom Innenausschuss des Landtages NRW sogar von einem "Scherbengericht"... Und weiter stellt der Autor das "politische Überleben" Reuls in Frage. In der Folge rechnet Reisener Innenminister Reul dessen Amtszeit u. a. geprägt von einigen "Skandalen" in der Polizei vor. Ob gewollt oder nicht, stellt sich die Frage, ob Thomas Reisener wie übrigens auch viele seiner Medien-Kollegen, vielleicht doch einer selektiven Wahrnehmung unterliegt. Ich verfolge von Beginn an die öffentlichen Statements von Reul zu den verschiedenen Problemfällen in der Polizei, habe dabei allerdings wohltuend feststellen können, dass er alles andere tut, als zu beschönigen, zu vertuschen oder mit der Wahrheit nur "scheibchenweise" an die Öffentlichkeit zu gehen. Das war bei der Aufarbeitung der Silvesternacht 2015/2016 unter Rot-Grün noch ganz anders...

Nein, er äußert sich wohltuend offen und ist sich sicherlich dabei bewusst, dass die Öffentlichkeit dabei sehr deutlich zu sehen bekommt, dass bei der Polizei in NRW nicht alles Gold ist, was glänzt. Eine Feststellung, die weh tut, nicht nur bei den betroffenen Beamten, sondern auch bei Ehemaligen, die "Kriminalpolizei" in- und auswendig kennengelernt haben.

Für die konkret betroffenen Beamten gilt - wie in einem Rechtsstaat üblich - die Unschuldsvermutung! In einem möglichen Straf- und Ermittlungsverfahren (Disziplinarverfahren eingeschlossen) wird zu klären sein, ob strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt und wenn ja, was dazu geführt hat... Ich hoffe, dass diese Kollegen von Anwälten vertreten werden, die den Mut haben, herauszuarbeiten, wo die Ursachen liegen. Und diese Ursachen liegen mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Vergangenheit, in der Frage, wie und wie umfänglich wurden diese Kollegen auf ihren Dienst in der Kripo vorbereitet? Bei der Klärung dieser Frage käme auch der eine oder andere Innenpolitiker und Minister der Vorgängerregierungen als Zeuge für politisches Versagen in der Vergangenheit in Betracht.

Thomas Reisener macht es sich zu einfach, was der "Schnelligkeit" von Nachrichtentransport geschuldet sein mag. Das ist jedoch kein Grund, auf tiefergehende Recherche zu verzichten. Dann hätte er feststellen müssen, dass es sich bei der Kripo in NRW um ein strukturell qualitatives Problem in Aus- und Fortbildung handelt. Seit Jahrzehnten gilt in NRW: "Einheitspolizei - Jeder muss alles können".

Lieber Herr Reisener, stellen Sie sich vor, die aus Altersgründen aus der Redaktion der RP ausgeschiedenen Journalisten wären in der Vergangenheit durch sehr gute Fotografen mit 6 monatiger Fortbildung zum Redakteur ersetzt worden. Was meinen Sie würde dabei rauskommen? Ich weiß, dass Sie sich das gar nicht vorstellen möchten, denn dann wäre eine der nächsten Überschriften: Der Problem-Chefredakteur...

Denken Sie mal darüber nach...

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